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All-Stars:Dyckburg 4:2 (0:2)

-dm- MÜNSTER.  Die Sommerpause scheint bei den Feierabend-Kickern des SV Mauritz offensichtlich neue Kräfte freigelegt zu haben. Denn auch im zweiten Spiel der "Rückserie" zeigte die Mannschaft um Abwehrchef Stephan Strodmeyer Mut, Moral und maskulines Auftreten. Gegen den Fußballnachbarn der SG DJK Dyckburg gelang nach 0:2-Rückstand ein kaum noch für möglich gehaltener 4:2-Coup. Die daraus resultierende Befriedigung war für die Blau-Schwarzen umso größer, zumal das Hinspiel im Dyckburger Wald noch vor wenigen Wochen verloren ging.

 

Ohne den verletzten Spielertrainer Dirc Bertram begannen die Platzherren gleichwohl agil und hatten durch Arne Heide und Dirk Möllers erste Chancen. Dyckburg fand mit Verzögerung seine Linie, dann aber sofort erfolgreich: Der Außenstürmer narrte Abwehrmann Philipp Nulle und ließ Torhüter Andree Scherner beim 0:1 keine Chance (22.). Sieben Minuten später kam es noch schlimmer, als Scherner einen eigentlich harmlosen Ball - halb  Schuss, halb Flanke - von der linken Angriffsseite ins lange Eck passieren ließ - 0:2. Die Stimmung zur Pause war auf dem Tiefpunkt.

Zu allem Überfluss kündigte Schiedsrichter Horst Feldhaus nach einem Disput mit Dyckburgs heißblütigem Torhüter Axel Weber an, nicht mehr pfeifend zur Verfügung zu stehen und war auch nach einem Torwarttwechsel beim Gegner nicht umzustimmen. Ein Betreuer Dyckburgs übernahm die Spielleitung.

Mit dem Ziel, sich bei schwül-warmen Spätsommertemperaturen ordentlich aus der Affäre zu ziehen, stießen die Alt-Germanen zum zweiten Abschnitt wieder an und besannen sich auf Grundtugenden. Mit etwas konzentrierterer Zweikampfführung und einfachen Kurzpässen gewann ihr Spiel an Sicherheit, wobei der Anschlusstreffer durch gegnerische Unterstützung fiel: Dyckburgs Ersatztorhüter Klaus Hennig spielte seinen von Arne Heide bedrängten Abwehrmann trotzdem an. Der folgende Pressschlag landete bei Möllers, der aus 17 Metern nicht lange fackelte und mit einem Lupfer gegen den noch aufgerückten Torhüter zum 2:1 traf (41.).

Es war das Startsignal für die nun folgende Germanen-Offensive, die sich mit Feuer und heiligem Zorn über die Gäste ausbreitete. So entledigte sich Arne Heide auf der rechten  Angriffsseite mit kernigem Antritt seines Bewachers und fand Daniel Thiekötter im Zentrum, dessen prächtiger Kopfball gegen die Laufrichtung zum 2:2 einschlug (44.).

Dyckburg antwortete mit wütenden Angriffen und schien kaum glauben zu können, welcher Orkan ihnen gerade das Resthaar zu Berge stehen ließ. Symptomatisch die Szene in der 47. Minute: Im Anschluss an eine gegnerische Ecke narrte "Wingman" Volker Kriens seinen Gegenspieler Andreas Herweg mit einem klassischen Tunnel und bedachte Herwegs Hinterteil im Fortgang der Szene vor kindlicher Freude über die gelungene Aktion mit einem launigen Popo-Klatscher. Trotzdem fand Kriens noch die Ruhe, mit einem Zuspiel auf Nulle die folgende Angriffssituation einzuleiten. Im perfekter Kleinhirn-Großhirn-Taktung machte dieser seinen Patzer vor dem 0:1 mit einem sauberen Steckpass auf Heide wett. Der Mauritzer Top-Neuzugang fackelte nicht lange, sondern vollendete humorlos zum 3:2. Drei Tore in sechs Minuten - die Zuschauer im altehrwürdigen Post-Stadion am Schifffahrter Damm lagen sich freudetrunken in den Armen!

Doch der Torappetit der in an diesem Abend in schwarz-gelb gekleideten Hausherren war noch nicht gestillt. Wild entschlossen attackierten sie weiter.

Wie der große Muhammad Ali im legendären "Rumble in the Jungle" von Zaire anno 1974 schienen die Post-Germanen in stiller Genugtuung zu brüllen: "Ist das alles, was du draufhast?"

Der wie entfesselt aufdrehende Arne Heide packte seine ganze Entschlossenheit in zwei schnelle Links-Rechts-Kombinationen, tänzelte hierhin, tänzelte dahin und setzte mit einem als Flanke getarnten Schuss aufs kurze Eck zum entscheidenden Schlag an. Diese kernige Gerade möbelte Dyckburg mit 4:2 endgültig in den Ringstaub.

Was für ein Pathos, war für ein Ende dieses epischen Kanalvergleichs, der nichts von seiner Wucht und Bedeutung für den Weltsport eingebüßt hat. Großer Sport, danke dafür!